LandesarbeitsgemeinschaftNeonazismus und Rassismus
Interventionsmöglichkeiten durch das Training
für demokratische Kompetenzen

„Handlungsfähig gegen Neonazismus und Rassismus“
Unter dem Arbeitstitel „Handlungsfähig gegen Rechtsextremismus und Rassismus“* erstellte das Bildungswerk Weiterdenken in der Heinrich Böll Stiftung e.V. im Jahre 2002 ein Konzept für die Erwachsenenbildung in Sachsen. Vor dem Hintergrund der letzten 14 Jahre, in denen Neonazis immer wieder mit brutalen Übergriffen auffielen und ein Erstarken der neonazistischen Subkultur unverkennbar wurde, sollte ein TrainerInnenpool für MultiplikatorInnen aufgebaut werden.
Gesellschaftliche Gruppen, die sich in Ihrer Arbeit mit neonazistischen Positionen, alltäglichem Rassismus und demokratiefernen Aktivitäten auseinandersetzen müssen, sollten somit in ihrer täglichen Arbeit gestärkt werden. Dafür fehlten jedoch bis dahin systematische Angebote.
Durch die gut vernetzte Struktur demokratiefördernder Vereine und Verbände in Sachsen fanden sich schnell ca. 20 Frauen und Männer, die Interesse hatten, sich zu diesem Zweck als TrainerInnen ausbilden zu lassen. Wir!
Ein solides Vorwissen brachten die meisten von Beginn an mit, da die Mehrzahl schon zuvor und bis heute im Bereich der Demokratiearbeit beruflich tätig war und ist. Eine gemeinsame Basis schafften wir uns in drei Ausbildungsphasen vom Herbst 2002 bis zum Frühjahr 2003.
Nun konnte es losgehen. In vielen gemeinsamen Stunden und Wochenenden erarbeiteten wir fortan, was wir genau machen wollen. Wir bildeten drei Arbeitsgruppen rund um die Themen Neonazismus, Rassismus und Demokratie. Konzepte wurden erstellt, diskutiert und getestet, sodass wir seit dem Herbst 2003 drei Seminarmodule unter dem neuen Namen der „LAG politisch-kulturelle Bildung Sachsen“ anbieten und durchführen konnten.
Im Frühjahr 2005 begaben wir uns auf die Suche nach neuen TrainerInnen, um unsere LAG zu erweitern. Diese wurden nach und nach durch Hospitationen und einführende Weiterbildungen in unsere Arbeit integriert, bis sie selbst in der Lage waren, die Seminartätigkeit mit zu tragen.
Seit Juli 2005 werden wir durch das Landesprogramm „Weltoffenes Sachsen“ gefördert, was uns größere Spielräume eröffnet. Wir begannen mit einer internen Evaluation unserer Seminartage und verbessern durch verstärkte interne Weiterbildungen unsere eigene Qualifikation. Außerdem erreichen wir nun durch intensivierte Öffentlichkeitsarbeit einen breiteren Teilnehmendenkreis. Zu Beginn des Jahres 2006 veränderten wir den institutionellen Rahmen der Landesarbeitsgemeinschaft und gründeten einen gemeinnützigen Verein.
Im Rahmen der Förderung durch das Landesprogramm „Weltoffenes Sachsen“ werden wir seit 2006 durch das „Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung“ der Universität Bielefeld extern evaluiert. Diese bescheinigte unserer Arbeit eine sehr gute Wirkungsweise. In der letzten Zeit konnten wir unser Seminarangebot erweitern und bieten nun auch Intensivseminare zu einem vertiefenden Themenspektrum an.
Im Jahr 2007 erweiterte sich die LAG auf eine neue Gruppe von 6 erfahrener Trainerinnen und Trainer mit eigener Migrationserfahrung, die seit dem Trainings zu Themen „Empowerment im Kontext von Migration, Kultur und Rassismus“ und Diversity anbieten.
*) den bisher verwendeten Begriff 'Rechtsextremismus' haben wir Ende 2008 durch die treffendere Bezeichnung 'Neonazismus' ersetzt, der das Problem zutreffender benennt und eine sprachliche Distanz zu den von uns nicht geteilten Auffassungen gängiger Extremismustheorien ausdrücken soll.